Tagestour: Jaita, Harissa und Byblos (Teil I – Jaita)

Posted By on 25. Juni 2011

Inzwischen habe ich mich hier in Beirut einigermaßen eingelebt und kenne die nähere Umgebung, so daß es heute eine Touristentour auf dem Programm stand. Ziele waren die Tropfsteinhöhlen von Jaita, die Marienstatue in Harissa und zum Schluß Byblos: die älteste und seit 7200 Jahren durchgehend bewohnte Siedlung im Libanon.

Jaita: Souveniershops vor den GrottenDoch zuerst hieß es früh aufstehen, da ich schon um 7:45 Uhr von meinem Hotel abgeholt werden sollte. Zwar habe ich mit der berüchtigten arabischen Pünktlichkeit gerechnet, Bin aber hier – wie auch in Berufsalltag – in dieser Hinsicht eher enttäuscht worden; der Fahrer des Reisebüros war absolut pünktlich am Hotel. Nachdem ich in eines der üblichen Groß-Taxis geklettert bin, ging es erstmal quer durch Hamra, da noch einige andere Tourgäste aufgesammelt werden sollten. Gemeinsam wurden wir dann zum Reisebüro Nakhal (engl.) gebracht, wo wir dann unsere jeweils gebuchte Tour bezahlten und darauf warteten, daß die übrigen Teilnehmer von ihren Hotels abgeholt wurden.
Planmäßig gegen 8:30 Uhr war es dann soweit, die Jaita, Harissa und Byblos Tour wurde aufgerufen und es ging mit einem weiteren Groß-Taxi los zur ersten Station.

 

Seilbahn zu den Jaita Grotten

Auf der etwa halbstündigen Fahrt nach Jaita stellte sich unsere Reiseleiterin Natascha vor und fragte erstmal nach den benötigten Sprachen: Ob es in Ordnung sei, wenn sie die Tour auf Englisch mache?
Teilweises nicken und kein Kopfschütteln brachte sie dann zum nächsten Punkt: nun sollten wir Touristen uns vorstellen. Unter den zehn Telnehmern befanden sich eine syrische Familie, ein irakisches Päarchen, ein junger Türke, ein Inder im Rentenalter und als europäische Vertreter ein Engländer Mitte Zwanzig und ich als Quotendeutscher.
Was unsere Führerin gleich zu dem Kommentar veranlasste, daß die Jaita-Grotten nach dem Bürgerkrieg 1975-1990 von einer deutschen Firma übernommen, restauriert und für den Tourismus erschlossen wurde.

Jaita selber liegt in einer engen Schlucht zwischen zwei ca 600 Meter hohen Gebirgszügen. Das mag nicht viel klingen, wenn man aber in knapp 10 Minuten Fahrt von Meereshöhe aus in dieses Massiv hineinfährt, ist es schon sehr beeindruckend. Dabei ist mir klar geworden, daß der Libanon ja eigentlich sehr gebirgig ist. Wenn man im Winter möchte kann man vom Skifahren im Gebirge binnen 20 Minuten im Mittelmeer baden gehen …
Vom Parkplatz aus ging es dann mit einer Seilbahn einige Meter über dem “Duck River” weiter in die Schlucht hinein. Der “River” war so beeindruckend, daß der indische Gentleman murmelte “That’s more a stream than a river.” Und recht hatte er, ich kenne Bäche die mehr Wasser führen.

Wikipedia:Jaita-GrottoNach recht kurzer Zeit kamen wir dann an der oberen Seilbahnstation an, und somit auch an der oberen Grotte. Die Jeita Grotten (engl.) sind in zwei Ebenen gegliedert. Die obere ist etwa 2100 Meter lang und die untere, zum Großteil mit Wasser gefüllte Ebene über 6 km. Typisch deutsche Gründlichkeit hat zwar für eine sehr stimmungsvolle indirekte Beleuchtung der Stalagmiten, Stalagtiten und sonstigen Felsformationen gesorgt, aber gleichzeitig auch das Photographieren verboten. Leider war auch das -eigentlich typisch deutsche- Postkartenangebot auch nicht so berauschend, so daß ich hier ‘nur’ ein Bild aus der Wiki-Commons zeigen kann.

Jaita: Untere GrotteAber alleine die Größe, der begehbaren ersten 750m der oberen Gallerie war schon beeindruckend. Zwar zwar haben die Segeberger Kalkberghöhlen in meiner Erinnerung wesentlich skurriler geformte Tropfsteinbildungen vorzuweisen, aber an schierer Größe und Majestät kommen diese nicht an die Jeita Grotten heran.

Nachdem wir die obere Höhle etwa eine halbe Stunde erkundet hatten -was durchaus knapp bemessen war, wenn man auch mal stehenbleiben und die Pracht einfach nur wirken lassen wollte- ging es weiter zur unteren Höhle. Da es inzwischen um die MIttagszeit war und die Sonne entsprechend auf uns herunter brannte, wurde entschieden, daß wir mit dem ‘Zug’ zur nächsten Ebene fahren, anstatt die etwa 4-5 Minuten in praller Sonne zu laufen. Dabei erwies sich der Zug dann als kleiner blechverkleideter Traktor mit einigen angehängten Wagen für den Passagiertransport.

"The Guardian of Time" von Tony Farah vor der unteren GrotteDer Eingangsbereich zu der unteren Grotte wurde von einer übermannshohen Statue flankiert, die sich “Wächter der Zeit” nannte. Zu ihren Füßen sprudelte ein kleiner Brunnen, dessen kühles Wasser uns erstmal etwas zur Abkühlung diente. Zwar war das kein Trinkwasser, aber einfach mal die Arme in das kalte Wasser halten oder einige Spritzer davon ins Gesicht war schon angenehm.
Danach ging es wieder zu den hier üblichen Schließfächern um wieder die Kameras und Photo-Handys abzugeben. Nachdem diese Prozedur überstanden war ging es eine glatte Rampe durch den behauenen Eingangsbereich hinunter zu einem in der Höhle errichteten Bootsanleger in dem drei flache Boote lagen. Mit einem davon glitten wir schon bald über das grün-blaue Wasser des unterirdischen Flusses. Im Sommer war der Fluß zwar nur zwischen 80 cm und 7 m tief, aber im Frühjahr wenn die Schneeschmelze einsetzt, steht die gesamte Höhle bis zum Eigangsbereich unter Wasser, so daß in der Zeit die Touristenführungen eingestellt werden müssen.

Wieder zurück in der prallen Sonne gab es wieder die Schicksalsfrage: Mit dem Zug zur Parkplatz zurück, oder die 200 Meter zu Fuß gehen? Trotz Sonne war es mir lieber mich etwas zu bewegen, da ich inzwischen ahnte, daß diese Tour durchaus für Bewegungsfaule geeignet war und so machte ich mich erstmal alleine auf den Weg. Ziemlich schnell schlossen sich mir auch der Inder sowie das irakische Päarchen an. Und tatsächlich schafften wir es auch problemlos vor dem langsam dahintuckernden Zug am Parkplatz zu sein.

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